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Monatlicher Check statt jährlicher Quote

Was regelt der Managementplan ganz konkret?

Er gibt der Fischerei Regelungen und Maßnahmen vor, um die Population der Nordseegarnelen und die Flora und Fauna der Fischereigründe dauerhaft zu schützen. Gleichzeitig muss auf Schwankungen im Bestand schnell reagiert werden.

Die technischen Vorschriften betreffen Geschirrgewicht, Baumlänge, und Maschenweite der Netze. Zu den Maßnahmen zählt die Beschränkung der Seetage.

Die wird ganz aktuell wirksam: Im Mai waren die Stundenfänge so niedrig, dass die "Harvest Control Rule" greift und die Seezeit pro Woche und Fahrzeug auf 72 Stunden begrenzt werden musste. Statt wie in anderen Fischereien jährliche Quoten zu vergeben, reagiert die Krabbenfischerei monatlich auf die Entwicklung der Stundenfänge. Diesem System liegt die Annahme zugrunde, dass der Fang pro Zeiteinheit einen Anhaltspunkt für die Dichte des Bestandes liefert. Unterläuft der Fang pro Stunde die Referenzwerte, die auf der Basis historischer Daten festgelegt wurden, dann begrenzt die Fischerei die Seestunden, bis die Stundenfänge wieder oberhalb der Referenzwerte liegen. Das System wurde mit den Wissenschaftlern des Internationalen Rates für Meeresforschung (ICES) entwickelt und entspricht der extrem schnellen Populationsdynamik der Krabbe.

Die Krabbe und der Kontrolleur

Holger Tilch im Interview

Kann man Krabben eigentlich managen? Schwer, denn sie haben ihren ganz eigenen Kopf und lassen sich nicht mit anderen Arten vergleichen. Wir managen die Fischerei und nicht den Bestand. Der Mangel an validen Daten zur Nordseegarnele hat es den Entwicklern des Managementplans zur MSC-Zertifizierung der Krabbenfischerei nicht leicht gemacht. Sinnvolle Regeln brauchen nun mal eine solide Basis, auf die man sie anwenden kann. Und ohne Regeln – kein Zertifikat. Heute steht der Managementplan für die Krabbenfischer und die Vorschriften greifen seit dem 1. Januar 2016. Ob sie auch eingehalten werden, prüft Holger Tilch (59), Mitarbeiter in den Prüfdiensten der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Seit fünf Jahren begleitet er als unabhängiger Prüfer die deutschen Fischer und damit seit 2013 die EzDK und ihre Mitglieder auf dem Weg der Zertifizierung. Auch für ihn ein Lernprozess.

Natura 2000

Status quo

Die Fischereigründe in den Natura 2000-Gebieten der deutschen Außenwirtschaftszone (AWZ) sollen stark reduziert werden. Wir haben bereits im letzten Infobrief unsere Verwunderung über diesen Vorstoß von Bundesumwelt- und Bundeslandwirtschaftsministerium geäußert. Wir sind aus fischereilicher Sicht naturgemäß wenig begeistert, aus rein formaler Sicht nachhaltig überrascht: Trotz des Ausmaßes der geplanten Eingriffe hat in Deutschland keine parlamentarische Befassung stattgefunden. Für uns ein nicht nachvollziehbares Vorgehen, das wir gegenüber den zuständigen Abgeordneten geäußert haben. 

Es gibt zu diesem Thema auch einen regelmäßigen Austausch mit unseren Kollegen aus den Nachbarländern. Die Niederländer lehnen die vorgeschlagenen Beschränkungen in der deutschen AWZ vehement ab. Nun bleibt zu hoffen, dass die Entscheidungen der Scheveningen-Gruppe moderater ausfallen. Ihre Mitglieder müssen letztendlich die Argumente aller Interessensgruppen abwägen und eine Entscheidung treffen, die als gemeinsame Empfehlung an die Europäische Kommission gehen wird. Wir werden gemeinsam vehement für die Interessen der Krabbenfischer eintreten. Notfalls auch mit rechtlichen Mitteln. Die deutschen Fischer haben in einen Fonds eingezahlt, aus dem sie einen möglichen Rechtsstreit bezahlen werden.

 

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